Crazy – Jugend- und Freizeittreff
Im Leipziger Stadtteil Paunsdorf entsteht mit der Sanierung eines WBS-70-Plattenbaus ein neuer Treffpunkt für den Stadtteil: das CRAZY. Ein Haus, das Offenheit, Gemeinschaft und Aneignung verkörpert.
Ein weiches Kleid für einen harten Kern
Der Bestandsbau folgt der klaren Logik des WBS 70 – rational, funktional, massiv. Diese Struktur bleibt ablesbar, wird jedoch von einer neuen Gebäudehülle umfangen: wellenförmige Faserzementplatten legen sich wie ein weiches Kleid um den Block. Mehrschichtig überlagert, brechen sie die Härte des Bestands und verleihen dem Gebäude eine lebendige, fließende Erscheinung.


Die Farbgestaltung verstärkt diesen Eindruck von Bewegung und Leichtigkeit. In sanften Verläufen treffen Lila, Gelb, Orange und Blau aufeinander – ein Spiel aus Struktur und Farbe, das gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen des Freizeittreffs entwickelt wurde. So entsteht eine persönliche Handschrift, die dem Haus Identität verleiht und Zugehörigkeit schafft.

Ein Raum mit Charakter
Im Inneren bleibt die Mittelhalle mit ihrem markanten VT-Faltendach prägend. Die sichtbare Tragstruktur bildet das Rückgrat des Hauses und verleiht dem Raum eine kraftvolle Klarheit. Ein warmer Eichenparkettboden im Fischgrätmuster bildet dazu einen ruhigen Gegenpol und prägt die Atmosphäre.


Flexible Einbauten ermöglichen wandelbare Nutzungen: als Bar, Bühne, Tisch, Bibliothek oder Stauraum. Der zentrale Raum bleibt offen, lässt sich immer wieder neu konfigurieren und bietet Platz für große Veranstaltungen ebenso wie für kleine Treffen. Materialien, Lichtführung und Raumproportionen schaffen ein einladendes, inspirierendes Ambiente, das Begegnung und Kreativität fördert.
Mehr als Sanierung: Transformation und Identität
Der Umbau des „Crazy“ übersetzt die Sprache des funktionalen Bestands in eine zeitgemäße Nutzung. Harte Linien treffen auf weiche Formen, Rationalität auf Kreativität. Die neue Fassade macht das Gebäude zu einem sichtbaren Zeichen im Stadtraum: robust und zugleich weich, zurückhaltend und leuchtend.




Die Einbindung der Nutzer*innen in den Entwurfsprozess stärkt Identifikation und Gemeinschaft und macht das Haus zu einem Ort, der vom Stadtteil selbst mitgeprägt wird. Der „Crazy“ wird so zum Orientierungspunkt in Paunsdorf – ein Symbol für Begegnung, Zusammenhalt und Teilhabe. Ein Freizeitzentrum, das nicht nur schützt, sondern inspiriert. Ein Haus, das seinen Ursprung weiterdenkt und zeigt, wie Architektur aus Bestehendem Neues formt.


Detail: Fledermausquartier
Im Zuge der Sanierung musste ein über Jahre von Fledermäusen genutztes, ungeplantes Quartier in den Technikgeschossen aufgegeben werden. Um den streng geschützten Arten weiterhin geeignete Lebensräume zu bieten, wurde ein neues Fledermausquartier direkt in die bestehende Dachstruktur integriert.
Eine durchgehende Einflugöffnung entlang der Dachkante ermöglicht den Tieren einen sicheren Zugang. Im Inneren schaffen unterschiedlich ausgebildete Bereiche – rauer Putz, sägeraue Holzlamellen, Wellplatten sowie gedämmte Zonen – vielfältige Mikrohabitate, die sowohl Sommer- als auch Winteransprüche verschiedener Arten erfüllen. Die Integration in den Bestand verbindet die bauliche Transformation mit aktivem Artenschutz. Ein begleitendes Monitoring dokumentiert die Nutzung und macht die gelebte Cohabitation von Architektur und Tierwelt sichtbar.
Projektinformationen
Ort: Leipzig-Paunsdorf
Realisierung: Fertigstellung 2025
Bauherrschaft: Stadt Leipzig
Entwurf und Planung: KO/OK Architektur BDA
Fotos: Sebastian Schels, München
Grafik + Text: KO/OK Architektur
